Jonathan’s Blog

Mindest-Rentenalter und Demographie in der EU – ein Beitrag zum Weltstatistiktag

Geschrieben am | 20. Oktober 2010 | Keine Kommentare

In Frankreich wird aktuell (unter anderem) lautstark gegen das Vorhaben Sarkozys protestiert, das Rentenalter von 60 auf 62 Jahre anzuheben. Was die meisten Deutschen und anderen Europäer mit einem müden Schulterzucken zur Kenntnis nehmen, führt bei unseren Nachbarn zu flächendeckenden Streiks.
Anlässlich des heutigen Weltstatistiktags (der erste!) möchte ich gerne mit Hilfe der Eurostat-Daten zur Demographie veranschaulichen, warum ein Anheben der Regelaltersgrenze zwar ärgerlich, aber letztlich alternativlos ist.
In vielen europäischen Ländern ist vorgesehen, dass man im Alter von 65 Jahren in Rente gehen kann, die Streuung reicht dabei von 60 bis 67 Jahren, wobei es dabei selbstverständlich verschiedenste nationale Besonderheiten, u.a. hinsichtlich bestimmter Berufe (wie Bergleute), Unterschiede zwischen Männern und Frauen (die oft früher in Rente gehen können) und Vorruhestandsmodelle gibt.
Um die Bedeutung der Altersgrenzen für das Rentensystem zu begreifen, muss man das zugrunde liegende Umlageverfahren verstehen, auf dem u.a. das deutsche Rentensystem seit der Rentenreform von 1957 basiert. Das Prinzip ist einfach: sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zahlen von ihrem Lohn Rentenversicherungsbeiträge (9,95% werden vom Lohn abgezogen – der Arbeitgeber zahlt das gleiche auch), die direkt an die Rentenempfänger weitergeleitet (oder auf diese umgelegt) werden. Dieses System funktioniert gut, solange viele Menschen arbeiten und wenige Menschen eine Rente beziehen. Dies war lange der Fall, aber der Zug ist leider abgefahren, und nicht erst, als die Politik das Thema aufgegriffen hat.
Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern hat sich seit längerem verschlechtert. Das hat im wesentlichen folgende Gründe:

  • weniger Geburten: es werden weniger Kinder geboren, so dass weniger junge Menschen die Alten mittragen können
  • höhere Lebenserwartung: die Menschen werden älter und beziehen länger Rente

Was die Geburten angeht, marschiert Deutschland im Eilschritt auf eine schrumpfende Bevölkerung hin. Die Zahl der Geburten hat sich von 1964 bis 2005 mehr als halbiert. Die Lebenserwartung ist im Gegenzug stark gestiegen, heute geborene Menschen haben eine Lebenserwartung von rund 100 Jahren. Dies ist natürlich eine Prognose und darf angezweifelt werden, aber in der Vergangenheit haben Demografen die Entwicklung der Bevölkerungsentwicklung mit einer solchen Präzision vorhergesagt, dass man die Prognose ernst nehmen sollte.

Bevölkerungspyramide
Der Begriff der Bevölkerungspyramide wird in Zukunft nicht mehr nachvollziehbar sein, denn unsere Pyramide wandelt sich zum Dönerspieß:

Quelle: Eurostat Jahrbuch 2010 Bevölkerung – Tabellen und Grafiken (bearbeitet)
Die Menschen zwischen 20 und 60 Jahren (grüner Rahmen) sind momentan noch in der Mehrheit gegenüber den über 60jährigen (blauer Rahmen), doch 2050 wird sich dies deutlich angenähert haben. Das Heraufsetzen des Renteneintrittsalters bewirkt also, dass der grüne Rahmen sich nach oben vergrößert, der blaue sich nach unten verkleinert, um das Verhältnis von Arbeitnehmern zu Rentnern zu verbessern.
Warum ist die Grenze bei dem Beispiel bei 60, wird man sich vielleicht fragen. Ich habe die Grenze bewusst dort gezogen, weil das tatsächliche Renteneintrittsalter erheblich von dem vorgesehenen abweicht. Der Anteil der über 60jährigen an den Arbeitnehmern ist gering, viele sind zu diesem Zeitpunkt aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr im Erwerbsleben. Hier stehen wir zusätzlich vor einer großen Herausforderung, älteren Arbeitnehmern die Möglichkeiten zu schaffen, möglichst lange am Erwerbsleben teilzunehmen. Heute mag es für ältere Arbeitnehmer fast unmöglich sein, einen Arbeitsplatz zu bekommen, in absehbarer Zeit wird jedoch der Fachkräftemangel (es kommen ja zu wenige nach, s.o.) erfahrenen Arbeitnehmern ihren verdienten Platz im Arbeitsmarkt bescheren.

Verhältnis Arbeitnehmer : Rentner
Anschaulich lässt sich das demografische Problem an folgender Gegenüberstellung betrachten:
1960 kamen 8 Arbeitnehmer für 1 Rentner auf
heute kommen 3 Arbeitnehmer für einen Rentner auf
2020 kommen 2 Arbeitnehmer für einen Rentner auf

Man sieht, dass das Umlageverfahren in der jetzigen Form im Grunde nicht mehr tragbar ist. Handlungsoptionen bestehen darin, die Abgaben-Belastung der Arbeitnehmer zu erhöhen, die Renten zu kürzen, oder das Renteneintrittsalter nach hinten zu legen. Zuletzt werden alle 3 Punkte umgesetzt (versprochen!), wenn auch in verschiedenem Umfang. Ein Gottvertrauen auf die “sichere Rente”, basierend auf “das trauen die sich nicht”, ist also fatal. Einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den einzelnen? Ich finde die Sache recht einfach. Das demografische Problem ist seit Jahrzehnten bekannt. Kinder, die nicht geboren werden, “fehlen” später in der Pyramide. Kinder, die nicht geboren werden, bekommen keine Kinder. Diese Trivial-Aussage zu tätigen, hat nur einen Grund: wenn es doch so einfach ist, warum hat die Politik, die das System geschaffen und verwaltet hat, nicht reagiert? Viel wichtiger: wieso sollten wir Menschen, die nachweislich dazu nicht in der Lage sind, die finanzielle Ausgestaltung unseres Lebensabends anvertrauen? Ich wüsste es nicht.
Wer sich trotz dieses Wissens nicht selber um seine Rente kümmert, darf sich nicht wundern, wenn er am Ende mit leeren Händen da steht. Und um mit privater Vorsorge anzufangen, ist man nie “zu jung”.

Altersvorsorge: Wann muss ich anfangen? Womit sparen und womit nicht?

Geschrieben am | 7. August 2009 | 2 Kommentare

Ein Beitrag von EinsLive: auch dort wird gesagt, was alle sagen, aber trotzdem noch nicht bei allen angekommen ist: die gesetzliche Rente wird in den kommenden Jahren nur noch einen minimalen Beitrag zum Alterseinkommen der Bevölkerung beitragen:
Bekommen heutige Rentner noch ca. 60% ihres Bruttodurchschnittseinkommens als Rente, sind es für meine Generation der 25-30jährigen je nach Angabe und Berechnung nur noch 38 – 42%. Bei einem Einkommen von 2500€ sind das 950 – 1050€.
Beispiele bei 38%, Berechnung des DIA:

Brutto zukünftige Rente
500 190
1000 380
1500 570
2000 760
2500 950
3000 1140
3500 1330
4000 1520
4500 1710
5000 1900
5500+ 1976

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