Jonathan’s Blog

Flugverbotszone vom UN-Sicherheitsrat beschlossen

Geschrieben am | 18. März 2011 | 1 Kommentar

Endlich hat man sich darauf geeinigt, den überfälligen Schritt zu machen und die Libyschen Luftstreitkräfte an der weiteren Bombardierung der oppositionellen Bewegung sowie der Zivilbevölkerung zu hindern; bei solch groben Verletzungen des Völker- und Menschenrechts kann die Verletzung fremder Staatssouveränität nun mal nicht stärker wiegen.
Deutschlands ständiges Nein zu Militäreinsätzen jeder Art ist mittlerweile kaum noch zu ertragen – es mag sich mit dem Willen einer Mehrheit des deutschen Volkes decken und ist daher legitim, aber es fällt schwer Achtung vor diesem permanenten Nein zu behalten, schlicht wegen der billigen Begründung unseres Außenministers: “wollen nicht Kriegspartei auf Dauer werden”. Ein Nein zur Beteiligung an kriegerischen Einsätzen scheint mir aber nicht an einem großen Hang zur Friedfertigkeit zu liegen, sondern an der mangelnden Bereitschaft, Geld und Menschenleben für Menschen in Not zu riskieren. Und das beschämt mich. Ich wüsste gerade nicht zu erklären, warum wir in keiner Weise im Maghreb helfen könnten.

Die Welt bebt

Geschrieben am | 17. März 2011 | Keine Kommentare

“Die Weltwirtschaft bebt”: dem Handelsblatt ist diese Überschrift offensichtlich nicht zu blöd – mir eigentlich schon. Eigentlich… Geschmacklich finde ich sie höchst unpassend, tatsächlich aber finde ich den Zynismus, den ich darin sehe, im Moment “passend”. Denn Zynismus ist eine Emotion die sich bisweilen schon mal einstellen kann angesichts der Geschehnisse in der Welt, insbesondere – aber nicht nur – in Japan.

Wie sich die Situation im Moment darstellt wissen wir nach wie vor nicht, Informationen dazu sind wenig verlässlich und regelmäßig widersprüchlich. Gemeinsam ist den Meldungen nur der Mangel an Optimismus. Vier Reaktorkerne in Fukushima liefern sich momentan einen Wettlauf um die erste Kernschmelze, ein Wettlauf gegen eine Handvoll Techniker, die zahlenmäßig, organisatorisch und verwunderlicherweise auch technologisch nicht auf Augenhöhe mitspielen wie man glauben könnte. In der Hinterhand noch die Reaktorkerne 5 und 6, die zwar abgeschaltet sind, aber eben nur so abgeschaltet, wie man Atomreaktoren abschalten kann: gar nicht.
Trotz allem hoffe ich darauf, dass es morgen früh nach dem aufstehen heißt: “alles unter Kontrolle”. Naiv, ich weiß.

Restrisiko

Wir waren bei naiv. Naiv ist es auch, das sogenannte Restrisiko zu ignorieren. Man tat jahrelang so, also ob wir mit Atomkraft ein Restrisiko eingehen, dass eine statistische Größe ist, die man ebenso gut aus der Rechnung herausstreichen könnte. Menschliches Versagen und Naturkatastrophen, so entnehme ich derzeit der Presse, bilden also das sog. “Restrisiko”. Wir sprechen hier also von dem Risiko, dass nicht in die Gleichung zu beziehen ist weil “unberechenbar”.
Es mag verkürzt sein, aber trotzdem, wie sinnvoll erscheint die Überlegung “Wir müssten es schon einkalkulieren, aber da wir das nicht können, lassen wir es weg.” Letztlich ist doch das Gegenteil der Fall: wir stehen unkontrollierbaren Faktoren gegenüber, und lassen daher die Finger von der Sache. Es geht hierbei nicht grundsätzlich um die Frage von Handlungsentscheidungen unter unvollständigen Informationen bei der Verwendung gefährlicher Technologien. Entscheidungen bei Unsicherheit treffen wir tagtäglich, keine Frage, aber zwei Dinge sind hierbei zu beachten: die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Schadenshöhe von worst-case-Szenarien. Das ist ganz einfach erklärt:

  • negative Konsequenzen, seien sie noch so gering, sind nicht zu riskieren wenn sie sehr wahrscheinlich eintreten.
  • negative Konsequenzen, seien sie noch so unwahrscheinlich, sind nicht zu riskieren wenn sie sehr stark eintreten.

Angesichts des zweiten Punktes verbietet sich also die Atomkraft, da die negativen Auswirkungen bei Unfällen u.ä. einfach riesengroß sind.
Außerdem muss man sich die Frage stellen: wieso reden wir eigentlich von Restrisiko angesichts des konkreten Lage in Fukushima: wie kann der Ausfall des Kühlsystems zum Restrisiko gehören??? Mir als Laie stellt sich die Situation so dar, dass eine intakte Kühlung das verdammt noch mal wichtigste ist, um dass sich gekümmert werden muss. Also:

Seit wann ist im 21. Jahrhundert Kühltechnik nicht sicher beherrschbar?
Wie kann man Kühlsystem in eine der am stärksten erdbebengefährdete Region der Welt bauen das nicht erdbebensicher ist?
Wie kann man Kühlsysteme bauen, die nach Stunden aufgeben?
Gibts bei Atomkraft nicht das System der Redundanz?
Wieso können wir Panzer transportieren wohin wir wollen aber keine Pumpen?
Wieso können wir Strahlung am Rande der Galaxie messen aber nicht in Japan?

Der Mensch an sich macht Fehler. Sogar oft. Wieso also Restrisiko?

Des einen Leid…
Nein, nicht alles hat auch eine gute Seite, aber das wird der ein oder andere anders sehen. Während Japan mit der Katastrophe kämpft und sich das allgemeine Interesse verständlicherweise auf Japan konzentriert steht die Welt nicht still. Im Maghreb geht derweil das Morden weiter, Gaddafi zerbombt Libyen und seine Bevölkerung und holt sich nach und nach die Gebiete der Aufständischen zurück. Aussicht auf Gnade gibt es keine, Gaddafi wird sein rücksichtsloses Vorgehen beibehalten, auch und erst Recht gegenüber den Aufständischen. Der Rest der Welt verkriecht sich mal wieder, aktuell gerne hinter der sogenannten “Respektierung der Autonomie Libyens”. Gaddafi hat schon Recht wenn er sagt: “Egal welche Entscheidung getroffen wird, es ist zu spät.” (1)
Schade aus einer Vielzahl an Gründen. Insbesondere, weil wir dem Libyschen Volk helfen könnten – wohl eher als den Reaktoren in Fukushima. Ich vermute, es ist wie so oft: zuerst handeln wir nicht, dann falsch. Hauptsache man hat nicht die Seite unterstützt, die am Ende verliert.

Vielleicht sitzt in 48 Stunden Gaddafi in Bengasi und Plutonium-Schlacke im Erdreich von Fukushima. Vielleicht tritt beides nicht ein. Es ist zu wünschen, aber es wäre Glück. Was waren das für Zeiten, als E10 unser größtes Problem war…