Altersvorsorge: Wann muss ich anfangen? Womit sparen und womit nicht?
Geschrieben am | 7. August 2009 | 2 Kommentare
Ein Beitrag von EinsLive: auch dort wird gesagt, was alle sagen, aber trotzdem noch nicht bei allen angekommen ist: die gesetzliche Rente wird in den kommenden Jahren nur noch einen minimalen Beitrag zum Alterseinkommen der Bevölkerung beitragen:
Bekommen heutige Rentner noch ca. 60% ihres Bruttodurchschnittseinkommens als Rente, sind es für meine Generation der 25-30jährigen je nach Angabe und Berechnung nur noch 38 – 42%. Bei einem Einkommen von 2500€ sind das 950 – 1050€.
Beispiele bei 38%, Berechnung des DIA:
| Brutto | zukünftige Rente |
| 500 | 190 |
| 1000 | 380 |
| 1500 | 570 |
| 2000 | 760 |
| 2500 | 950 |
| 3000 | 1140 |
| 3500 | 1330 |
| 4000 | 1520 |
| 4500 | 1710 |
| 5000 | 1900 |
| 5500+ | 1976 |
Rentenbesteuerung und Inflation
Aber das ist noch nicht alles: die Rentenbesteuerung steigt gestaffelt, beginnend 2005 mit 50% um 2040 bei 100% zu landen, und die Inflation wird bei den meisten überhaupt nicht betrachtet. Gehen wir davon aus, dass sich die Inflation bei 2% bewegt (was von der EZB gewollt ist und in den letzten Jahren auch passt) ist das Geld 2050, wenn ich dann offiziell in Rente gehen dürfte, noch ziemlich genau die Hälfte wert. Die 1050€ reichen mir dann, um mir eine 45m²-Wohnung zu mieten. Fertig.
Was kann man da raten? Meine “Lieblinge” sind da die LBS und andere Bausparkassen. Nicht selten treffe ich auf junge Menschen, die laut eigener Aussage zwar nie bauen möchten, aber einen Bausparvertrag mit einer Verzinsung von 0,75% – 1,5% besparen. Bei einer durchschnittlichen Inflation (Geldentwertung) von in den letzten Jahren rund 2% verbrennt man also sein Geld. Das man dafür auch noch eine Abschlussgebühr bezahlt, häufig Zusatzgebühren für Kontoführung und Zeitschriften mit zweifelhaftem Nutzen, sind nur einige Details mehr, die den Bausparvertrag zum alleinigen Nutzbringer für die Bausparkassen, und nicht den Kunden, machen.
Der günstige Kredit (wenn er das dann auch beim jeweilig bestehenden Zinsniveau ist) darf auch i.d.R. nur noch für eine Immobilie verwendet werden.
Wohneigentum als Altersvorsorge
Das Prospekt “Altersvorsorge – Das eigene Zuhause: Mietfrei wohnen und clever vorsorgen.” ist auch wieder mal ein Musterbeispiel für Marketing: um bausparen attraktiv zu machen, wird gezeigt, wieviel Geld der LBS-Kunde mit Wohneigentum sparen kann, und rechnet mit einer Mietsteigerung von 3% jährlich. Die Aussage ist ganz klar: mieten wird jährlich teurer, also lieber Wohneigentum. Wenn die LBS die Versorgungslücke berechnet, wird auf einmal nichts teurer. Da stellt sich die Frage, warum sollte man die Versorgungslücke zu klein berechnen? Eigentlich ganz einfach: der Beispielkunde mit 2464€ Bruttoeinkommen hat ein Netto von 1800€, bekommt 1102€ gesetzliche Rente und hat somit eine Versorgungslücke von 698€ (das ist das, was ihm zusatzlich zur Rente fehlt, um sein voriges Netto wieder zur Verfügung zu haben).
Kapitalbedarf berechnen
Um sich eine lebenslange Zusatzrente auszahlen lassen zu können, braucht man Kapital, dessen Zins diese Rente liefert. Gehen wir dazu mal von folgenden Annahmen aus:
Szenario 1:
- Der Sparer beginnt seine Altersvorsorge mit 20 Jahren
- Der Sparer möchte mit 67 in Ruhestand gehen
- Der Sparer arbeitet volle 45 Jahre lang
- Der Zins in der Ansparphase beträgt 4%
- Der Zins in der Rentenphase beträgt 4%
- Das Kapital soll erhalten bleiben (Nur Verzehr der Zinsen)
Unser Beispiel-Sparer benötigt also, um seine Versorgungslücke zu decken, jährlich 698 * 12 = 8.376€ Zinsen. Bei den angenommenen 4% Verzinsung sind dafür also 209.400€ Kapital nötig. Um diesen Betrag anzusparen, hat der Kunde ja zum Glück 47 Jahre Zeit. Spart er mit 4% Zinsen 47 Jahre lang, kommt er mit 129€ pro Monat ans Ziel.
Szenario 2:
- Der Sparer beginnt seine Altersvorsorge mit 30 Jahren
- Der Sparer möchte mit 67 in Ruhestand gehen
- Der Sparer arbeitet volle 45 Jahre lang
- Der Zins in der Ansparphase beträgt 3%
- Der Zins in der Rentenphase beträgt 3%
- Das Kapital soll erhalten bleiben (Nur Verzehr der Zinsen)
Unser Beispiel-Sparer benötigt wie gehabt jährlich 698 * 12 = 8376€ Zinsen. Bei den angenommenen 3% Verzinsung sind dafür schon 279.200€ Kapital nötig. Um diesen Betrag anzusparen, hat der Kunde nur 37 Jahre Zeit, weil irgendjemand gesagt hat, man müsse ja so jung noch nicht an Altersvorsorge denken. Spart er mit 3% Zinsen 37 Jahre lang, kommt er mit 346€ pro Monat ans Ziel.
Die meisten können aber leider keine 346€ pro Monat in Altersvorsorge investieren, und von denen, die es können, wollen es die meisten nicht. Aber, Sie ahnen es, das ist es ja noch gar nicht: um die Kaufkraft ihres derzeitigen Nettoeinkommens von 1800€ auch in 30 Jahren zu haben, brauchen Sie eher 3260€. Und auch wenn ihr Einkommen mit 2% jährlich steigt und Sie dann vielleicht 2000€ gesetzliche Rente bekommen, fehlen Ihnen 1260€.
Um in Szenario 2 zu bleiben, müsste der Sparer also eine jährliche Zinsausschüttung von 12 * 1260 = 15120€ erreichen, dies entspricht einem Kapital von 504.000€. (Das ist wahrscheinlich der Punkt, an dem die meisten aufhören zu lesen oder den Taschenrechner zücken.)
Um die halbe Million anzusparen, muss der Sparer aus Szenario 2 monatlich 625€ weglegen.
Wie realistisch sind diese Berechnungen?
- Rentenniveau: die Meinungen darüber, dass in Zukunft nur noch 38% – 42% des Bruttoeinkommens als gesetzliche Rente ausbezahlt werden, ist so ziemlich in Stein gemeißelt. Dies liegt schlicht an der Notwendigkeit, anders hätte das System überhaupt keine Chance.
- Rentenbesteuerung: Die Besteuerung der Rente ist beschlossen und läuft seit 2005 (zum AEinkG später einmal mehr). Nur kurz, ab 2005 wird die gesetzliche Rente mit 50% besteuert, der Prozentsatz steigt bis 2020 jährlich um zwei Prozentpunkte auf 80%, von da ab bis 2040 jährlich um einen Prozentpunkt auf dann 100%.
- Zinssatz: Die Zinssätze bei Bausparverträgen liegen momentan in der Regel (teilweise deutlich) unter 2% (also geringer als die durchschnittliche Inflation!) Schauen Sie sich mal einen Prospekt an: was glauben Sie, was Sie häufig nicht finden? Den Zins! Das ist aber verständlich, denn der ist absolut vernachlässigbar.
- Kapitalbedarf in der Rentenphase: Ich habe meine Beispielrechnungen so angesetzt, dass kein Kapitalverzehr stattfindet, dass heißt ihr Kapital, von dem Sie ihre Zinsen beziehen, wird nicht kleiner, aber daher benötigen Sie mehr. Möchten Sie das Kapital hingegen aufbrauchen, also in dem letzten Beispiel die 15120€ jährlich nur 33 Jahre lang beziehen (Sie wären dann 100Jahre alt!) und das Kapital verbraucht sein, reichen 314.000€ / 390€ monatliche Sparrate, möchten Sie schon mit 80 Jahren sterben, sind es 163.000€ / 202€ monatliche Sparrate. Ob man sich dann darauf freuen kann, doch älter als 80 zu werden, muss dann jeder für sich entscheiden.
- Relevanz des Vorsorgeweges: Sie werden vermutlich nicht einfach Geld irgendwie ansparen, und sich nachher einen Auszahlplan machen. Eher in Betracht kommen Vorsorgeprodukte, bei denen Sie bei einem Anbieter Geld ansparen, und dieser Ihnen für je 1.000 oder 10.000€ angespartes Kapital eine lebenslange Rente auszahlt (Rentenfaktor oder Rentengarantiefaktor). Interessant sind dabei Produkte, bei denen sich der Vorsorgeaufwand steuerlich absetzen lässt, bzw. Sozialabgaben & Steuern gar nicht erst bezahlt werden müssen. Es geht in diesem Beitrag allerdings auch erstmal darum, ein Gefühl für das Problem, das Prinzip und die Summen zu bekommen. Da wären die zwei wichtigen Punkte Zinssatz und Inflation, die bei manchem Anbieter zu kurz kommen. Es könnte auch der Einwand kommen, Bausparverträge seien nicht für die Altersvorsorge bestimmt. Darüber würde ich mich freuen, denn genau so ist es! Darüber hinaus kann ein Bausparvertrag nichts, was andere Produkte nicht auch könnten. Leider ist gerade das Marketing von LBS wahnsinnig gut (ich hab da aber auch noch andere “Experten” im Hinterkopf), wer weiß z.B. dass Wohnriester prinzipiell mit jedem Anbieter und Produkt geht? Prinzipiell gilt für alle Produkte: mit 3% kommen Sie nicht ans Ziel, egal von wem.
- Die ALternative: ein paar Vorschläge dazu werden Sie von mir bekommen. Sie haben es geahnt: später.
Wenn Sie vermeintliche Fehler, Unstimmigkeiten oder ungeklärte Fragen oder sonst etwas bemerken, verlassen Sie bitte nicht verärgert meine Seite, schreiben Sie mir bitte stattdessen einen Kommentar. Ich freue mich darauf!
Kommentare
2 Kommentare zu “Altersvorsorge: Wann muss ich anfangen? Womit sparen und womit nicht?”
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geschrieben am 19. August 2009 um 14:05
Ich glaube der Generationenvertrag in der jetzigen wird bald nicht mehr bazahlbar sein.
Die Zahl der Rentner wird die Zahl der Arbeitnehmer soweit überholen, dass entweder die Abgaben für die Arbeitnehmer unglaublich hoch sein werden oder die Rente stark sinken wird. Mit der Rentengarantie ist letzteres aber unwahrscheinlich.
geschrieben am 6. Juli 2010 um 14:14
Die private Altersvorsorge ist wichtiger den je. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Wer die Versorgungslücke schließen möchte, sollte so früh wie möglich in eine private Altersvorsorge, sprich Riester, Fonds, Bausparvertrag oder ähnliches, investieren.